2012 Westalpen - MoFa Stammtisch Indersdorf

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2012 Westalpen

Touren
Von  Markt Indersdorf nach Menton und Zurück:
Nach der Norwegentour die Zweite 3000km MoFa-Reise
Mittwoch 20.06. – 345km
Wieder einmal stehen wir am Rastplatz Zugspitzblick am Fernpass und bereiten uns auf die erste Kaffeepause für heute vor. Uli und ich sind heute um 8:00 bei trübem aber trockenem Wetter in Markt Indersdorf gestartet. Die A 8 Richtung Garmisch haben wir heute schon bei Sindelsdorf verlassen und sind über Grossweil , Garmisch, Lermoos und St Wendelin eben zum Fernpass gefahren.
Heute zeigt sich dieser sonst völlig überlastete Pass von seiner schönen Seite. Kaum dass uns LKWs behindern, nein auch keine Wohnwagengebremste Urlaubsgespanne trüben unseren Fahrspaß. Bald erreichen wir so Imst und Landeck, lassen dieses Mal den Abzweig zum Reschenpass im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Bei Martinsbruck fahren wir dann in das Land der Eidgenossen ein.
Hier gibt es Kantone, Motorräder nennt man „Töf“, auf Landstraßen ist das ernstzunehmende Geschwindigkeitslimit 80 Km/h und die Währung ist nicht der Euro! Aber trotzdem macht das „Töffen“ hier Spaß. Am Nordufer des Inn fahren wir in weiten Bögen, weit langsamer als es die Straßenführung zulassen würde, nach Susch, Zernez und La Punt wo wir auch die ersten Fränkchli aus dem Bankomaten ziehen. Der Himmel macht nun auch langsam seine Schleusen auf. Den Kurvengenuss und die Kehren zum Albulapass (2312m) können wir noch unbeschwert genießen doch bei Bergün erwischt uns ein heftiges Gewitter mit Starkregen. Aus früheren Touren weiß ich, dass am Ortseingang von Tiefencastel einige Hotels stehen. Bis dahin schaffen wir es auch und kehren tropfnass im Hotel Rätia ein. Vor dem, na sagen wir einmal. etwas rustikalen aber trotzdem empfehlenswerten Haus hat sich bereits eine Gruppe Österreichischer Motorradfahrer eingefunden deren Bikes den ganzen Abend hindurch für Unterhaltung sorgen werden.
Kaum steht das gute Essen auf dem Tisch hören wir schon laut aus dem Raucherzimmer: „Gopfadälli dös gooht öbbe gaarid – dia huuuredöf uf‘m Autoparkchplatz …jo Gopfadälli ….. „ Ein Stammgast regt sich köstlich über die parkenden Motorräder auf die, wie er meint, nichts auf „Gäschde“ Parkplätze zu suchen hätten. Wir habe zu Ende gegessen und beschließen einen Spaziergang zu machen, verlassen das Hotel und hören noch im Hintergrund: „…. jo Gopfadälli …..!!!“
Viel später, als wir nach ausgiebigem Marsch und einem Nachtisch bei der Konkurrenz unser Hotel wieder betreten, hören wir vor uns….. genau … : „…. jo Gopfadälli …..!!!“ Und als wir nach ein zwei, drei weiteren Feldschlössli das Lokal zur Nachtruhe verlassen sind die letzten Worte die wir hören:„…. jo Gopfadälli …..!!!“

Donnerstag 21.06. - 315km
Ich habe wunderbar geschlafen, öffne das Fenster und horche! Nein nichts keine Laut. Der Alpöhi muss wohl auch nach Hause gegangen sein, Die Bikes der Österreicher stehen unbeschadet vor dem Haus und unsere beiden „Dicken“ waren ohnehin in der Garage. Also auf zum Frühstück und nichts wie weiter.
Ab Tiefencastel geht es relativ unspektakulär über Thusis bis Bonaduz. Schon hübscher und anspruchsvoller gestaltet sich das schmale Sträßchen südlich am Vorderrhein entlang über Versam bis Ilanz. Schmal und kurvig windet sich der Weg durch Felsdurchbrüche und lockt immer wieder mit eindrucksvollen Aussichtsmöglichkeiten auf den Vorderrhein unten im Tal. Wir bleiben so lange wie möglich auf dieser Nebenstraße, müssen aber kurz nach Danis doch auf die 19er. Dieser Hauptstraße folgen wir nun über Disentis und den flott zu fahrenden Oberalbpass (2044m) bis nach Andermatt. Ohne Halt lassen wir diesen Touristenort hinter uns, haben wir doch nach Hospental mit der alten Gotthardstraße (Tremola 2091m) ein ganz besonderes Schmankerl auf der heutigen Straßenspeisenkarte. Kopfsteingepflastert windet sich die Straße ins Tal. Kaum vorzustellen dass sich einst ganze Heerscharen Käfer, A-Kadett, NSU Prinz, zweitaktende DKW vollbeladen über dieses Nadelöhr nach Süden und Norden gekämpft haben. Nicht vorzustellen wie die meist Trommelgebremsten Autos heil ihr Ziel erreichten. Aber heute sind wir nahezu alleine unterwegs. Insgeheim hoffe ich dass noch lange genug Geld in den Erhalt dieses ganz besondere „Straßenmuseums“ gesteckt wird. Umso mehr weil diese Verbindung seit dem Mittelalter rege genutzt wurde und in dieser Form, wie wir sie vorfinden, erst zwischen 1937 und 1940 fertiggestellt wurde.
Das nächste Ziel ist der 1964 gebaute, 2478 m hohe Nufenenpass der den Kanton Wallis mit dem Kanton Tessin verbindet. Ein kurzer Halt für ein Passfoto, und die Wasserdichten Handschuhe angezogen. Zum Glück bleibt der große Regen heute aus und wir können ungehindert in das Rhonetal hinabschwingen. Fahrerisch wieder unspektakulär, jedoch für das Auge kurzweilig genug, fressen wir die verbleibenden Kilometer bis Martigny. Eigentlich wollten wir hier übernachten, doch wegen des dichten Verkehrs und der stickigen, staubigen Luft ziehen wir es vor weiter zum Col de la Forclaz (1527m) zu fahren um dort an der Passhöhe zu Übernachten.
Die Preise für die einfachen Zimmer im „Forclaz“ sind auf bestem Schweizer Niveau, jedoch ist das Personal freundlich und das Essen wieder einmal empfehlenswert.

Freitag 22.06. - 373km
Der mit 4810m (mit Eiskappe) höchste Berg der Alpen ruft! Der Mont Blanc! Schon vor dem Frühstück sind die Motorräder gepackt so dass es nach den letzten Bissen und dem Bezahlen der Rechnung losgehen kann. Seltsamerweise ist mit den neuen EC-Karten weder an Tankstellen noch in Hotels eine Rechnung zu bezahlen. Lediglich Barabhebung an den Geltautomaten funktioniert problemlos. Gut dass wir unsere Kreditkarten dabei haben. Also wer heute auf Tour geht bitte unbedingt bei seiner Bank erkundigen wie weit das Bargeldlose Bezahlen abgedeckt ist!

Die Nacht war kalt und entsprechend träge lässt sich meine „R“ durch die ersten Kehren hinab zur französischen Grenze wedeln. Doch schon nach wenigen hundert Metern erreicht der Michelin Pilot Road 3 selbst bei kalter Straße eine brauchbare Betriebstemperatur. Der Grenzübergang nach Frankreich bei le Chatelard hat etwas Beeindruckendes. Zwischen Felswänden duckt sich die Grenzstation in die Straße. Weder Schweizer noch Französische Grenzbeamte kümmern sich aber um uns. Die hier angesiedelte, mit 87% Steigung steilste Doppel-Standseilbahn der Welt, schenken wir uns heute auch. Es ist einfach noch zu früh für ausgedehnte Sightseeing Pausen und die Gashand juckt zudem gewaltig. Zweifelsohne ist der Wechsel der Staatsgrenzen auch an dem Fahrbahn Belag erkenntlich. Fortan holpern wir auf von wechselnden Reibwerten und Schlaglöchern übersäter „Piste“ gen Süden. Trotzdem macht es Spaß! Morgendliche Nebelschwaden und das warme Licht der frühen Sonne verleihen dem Wald durch den wir fahren einen ganz besonderen Reiz.
In Argentiere machen wir die erste Fotopause um den Mont Blanc für unsere Fotosammlungen zu verewigen. Doch der Große Weiße Riese zickt und versteckt sich immer wieder hinter den vorbeiziehenden Wolken ….aber warte nur ….. wir kommen wieder, auf dem Rückweg von der anderen Seite bei dir vorbei! Schnell durch Chamonix Mont Blanc , dann die kurvige A40 welche wir auch gleich bei Le Abbaye zur „Route des Amerandes“ Richtung Megeve verlassen. Wir fahren durch Notre Dame de Bellecombe, zum Col de Seisies (1650m) und erreichen über Beauford den Cormet de Roselend (1967m). Nach der Auffahrt durch die imposante Gebirgskulisse gönnen wir uns auf der Passhöhe erst einmal eine typische Baguette-Brotzeit und lassen das Panorama auf uns wirken. Ab Bourg St.Maurice folgen wir der N90 bis Moutiers. Dort biegen bei nächstmöglicher Gelegenheit auf die D94 ein. Ab Hier beginnt wieder das Motorradfahrerherz höher zu schlagen! Kleine knackige Kurven reihen sich vor uns auf und schnell sind die Km zum Col de Madeleine (1993m) abgespult.
In Saint Jean de Maurienne treffen wir auf eine Gruppe Alpine Renault A110. Was für ein Sportwagen, klein leicht und mit der großen 1,6ltr Variante selbst heute noch ausreichend motorisiert. Die Alpines fahren Richtung Col d Glandon, wir jedoch nach Saint Martin d Arc zur D902, der Route de Galibiere. Gleich nach dem Abzweig windet sich das Sträßchen bergauf. Die Kehren eng und teils unübersichtlich schlängeln wir uns zur Passhöhe auf 2646m empor. Hier wieder anstellen zum üblichen Passfoto, ein paar Radfahrer führ ihr Fotoalbum verewigt und dann dürfen auch wir. Nun drängt aber ein bisschen die Zeit, möchte ich doch am Lac du Sierre Proncon Übernachten. Je später wir ankommen werden, desto geringer ist ja die Chance auf ein Zimmer. Zügig stürzen wir den Berg hinunter und dienen daher als Fotomodel geschäftstüchtiger Minipaparazzis. Die Fotos von uns werden später im Internet zu gesalzenen Preisen zum  Kauf angeboten.
Bei Briancon zweigen wir auf die N94 ab und „brennen“ an Embrun vorbei nach Savines le Lac. Nach kurzer Suche finden wir im Hotel Eden Lac eine annehmbare Unterkunft zu annehmbaren Preisen. Der Service des Restaurant jedoch lässt zu wünschen übrig. Mir gelingt es nicht ein Bier (Uli hat schon eines), geschweige denn ein Abendessen zu Ordern. In dem Grillrestaurant, an der Straßengabelung zur Bücke werden wir hingegen bestens bedient.
Das Absackerbier im Hotel entfällt nach kurzer Wartezeit aus demselben Grund wie das Abendessen dort. Das Personal nimmt uns einfach nicht mehr war. Also lassen wir das und werden wohl auch hier kein Frühstück ordern, denn Morgen wollen wir ja noch bis nach Menton….
Samstag 23.06. – 314km
…. Den Abzweig nach Pontis hätte ich ums Haar verpasst so unscheinbar ist das Sträßlein das da scharf links abgeht. So verflixt eng, steil und in schlechtem Zustand ist der Weg, dass ich schon meine mich verfahren zu haben. Aber das Örtchen Pontis kommt tatsächlich nach einem Waldstück zum Vorschein. Ein paar hundert Meter nach dem Ort wird die (erträgliche) Mühe mit einem unbeschreiblich schönen Ausblick auf den Lac belohnt.Die westliche Abfahrt sollte aber mit Bedacht angegangen werden. Rollsplitt und Ölverseuchte Kehren reihen sich an der einspurigen Straße aneinander. Dafür kreuzen Greifvögel unseren Blick und die in Morgenlicht getauchte Landschaft lässt das Auge immer wieder von der Straße abschweifen. Auf er der D954 und D900 schwingen wir in weiten Bögen dahin bis ich wieder auf eine Alpine A110 stoße. 

Ich lasse mich auf eine kleine Hatz mit dem Metallic Blauen Exemplar deutscher Zulassung ein. Hochachtungsvoll ziehe den Hut vor dem, was dieses kleine Auto heute noch zu leisten vermag. Ich muss schon heftig am Gasgriff drehen um den Sound des Motörchens nicht aus Hörweite zu lassen. Ein Genuss der besonderen Art, auch wenn das vorgelegte Tempo auch nicht ganz legal gewesen sein kann. In Les Thuiles trennen sich dann unsere Wege und das ist wohl auch gut so. Über den Col de Cayolle (2326m) kommen wir nach St Martin Entraunes und Guillaumes. Folgen dann der – D28 nach Valberg und Beuil.
Bei Puget Theniers schwenken wir auf ein ganz besonderes Schmankerl, die D27. Unscheinbar und eng schlängelt sich die einspurige Nebenstraße teils spektakulär am Hang entlang. Nach einer gemütlichen Salami Brotzeit in Toudon versuchen wir nach Nizza zu kommen. Doch immer an derselben Stelle versagt mein Navi seinen Dienst. Nach der Einen und Anderen Ehrenrunde müssen wir uns erst einmal auf unseren eigenen Orientierungssinn verlassen. Man glaubt es kaum aber trotzdem finden wir die Uferpromenade von Nizza, gönnen uns die Aussicht auf das allgegenwärtige Schaulaufen der „Jungs und Mädels“ bis wir die vSzene durch den etwas verwirrenden Straßentunnel verlassen müssen. Wohl eher intuitiv finden wir dann wohl die richtige Ausfahrt und gelangen über Laghet tatsächlich nach Menton.
Wir haben einen denkbar schlechten Zeitpunkt gewählt um in Menton ein Zimmer zu suchen. Zum einen wird Uli um Haaresbreite von einem suizidösen Scooterfahrer abgeschossen, zum anderen ist just an diesem Wochenende ein Pferdefestival im Ort und daher kein Zimmer zu bekommen. Der freundliche Besitzer des „le Richelieu“ telefoniert für uns alle möglichen Hotels durch und kann uns tatsächlich zwei Zimmer im Hotel Le Saint Yves in St. Agnes buchen. Am Ende entschuldigt sich der nette Herr auch noch für sein schlechtes Deutsch! Auf dem Weg von Menton nach Sainte Agnes merken wir dass Zeit für Feierabend ist. Ein Fahrfehler wird jetzt schon von dem Nächsten ersetzt.
Sainte Agnes ist für Kraftfahrzeuge gesperrt – oder besser es gibt gar keine befahrbaren Straßen. So bleiben die Bikes draußen vor den „Toren“. Wir schleppen notgedrungen unser Gepäck schwitzend zu den Unterkünften die vom Restaurant  doch noch ein paar hundert Meter entfernt sind. Die schönen Zimmer und der mittelalterliche Flair von Sainte Agnes entschädigen für alles!
Sonntag 24.06. - 22km
Wie unser heutiges Tagespensum verrät ist heute Pause angesagt. Wir fahren lediglich nach Menton zur Uferpromenade, Leute schauen und einfach den Tag genießen. Schon mittags treibt es uns aber wieder in das schöne und beschauliche Sainte Agnes zurück. Hier ist heute Sonntagskonzert angesagt so dass wir erst in die dortige, 1932 erbaute Festung der Maginot Linie besichtigen und später auf die Burg hoch über dem Ort wandern. St Agnes bezeichnet sich selbst übrigens als höchstgelegenes Küstendorf Europas.

Montag 25.06. –257km
Es war ein Fehler! Gestern beim Abendessen hatten wir von der Terrasse unseres Hotels aus den Weg den wir heute nehmen ausgesucht. Das “Bitte Wenden“ auf dem Display des Navis wird geflissentlich ignoriert und so stehen wir nun am Ende der Teerstraße. Hat der nette Herr oben auf der Burg gestern nicht erwähnt es gäbe eine gut zu fahrende Verbindung von hier nach Sospel welchen er auch immer nimmt? Also weiter. Weil sich das ABS meiner Dicken nicht abschalten lässt ist Schotter zwar eher suboptimal aber in Norwegen ging es ja auch!
Nun Anfangs ist der Fahrweg moderat staubig und gut festgefahren doch schon bald werden die Kiesel größer und teilweise zwischen Tennisball und Kindskopf groß. Jedoch bleibt immer genug Platz zum Ausweichen. Auf kleinen Holzschilden prangen uns nun so unbekannte Namen entgegen wie: Route de Col des Banquettes, Col de Farguet, Col de Segra, Col de Braus und Route del Escarene an denen die Wege für unsere großen, voll bepackten Maschinen immer ungemütlicher werden. Steinige, enge Kehren bergauf und bergab machen uns zwar nicht große Probleme aber anstrengend ist es allemal. Nach gut 85 Km und einem ganzen Vormittag stehen wir wieder an unserem Ausgangspunkt bei Sainte Agnes!
Nun vertrauen wir doch auf das Navi und lassen uns wieder auf gut fahrbarer kurviger Strecke über Peille, La Grave, L Escarene, nach Sospel leiten. Nach diesem Festmahl an Kurven jeder Couleur haben wir uns in Sospel erst einmal eine Rast mit Baguette verdient! Gesättigt und etwas erholt befahren wir dann die Route de Turini. Nur kurz führt uns die Straße gemäßigt bergan doch bald wissen wir warum dieser gerade einmal 1604m hohe Pass mit einer der bekanntesten Etappe der Rallye Monte Carlo ist.
Unsere nächste Etappe führt uns über St. Martin Vesubie Richtung Col de la Bonette. Anfangs können wir uns wieder etwas erholen den zart geschwungen präsentiert uns die Zufahrt zum Col. Erst ab Auron müssen wir wieder unsere Aufmerksamkeit erhöhen! Natürlich machen wir noch die Fotopause am längst verlassenen und teilweise verfallenen Camp des Fourches bevor wir den zweithöchsten befahrbaren Pass der Alpen unter die Räder bekommen. Der Bonette mit 2715m und die von der Passhöhe abzweigende Ringstraße zur Cime de la Bonette mit 2802m wird lediglich noch von der 2829m hohen Ötztaler Gletscherstraße getoppt. Diese ist jedoch nur eine Sackgasse.
Die Ringstraße zum Cime de la Bonette bleibt uns heute aber verwehrt da die Zufahrt gesperrt ist. Im Gegensatz zu manch anderen Bikern halten wir uns an das Verbot. Vorbei an der Casernes de Restefond fahren wir hinab nach Jausiers und beginnen dort auch zum Abschluss des heutigen Tages mit der Zimmersuche.
In La Condamine de Chatelard werden wir auch fündig und checken im sehr einfachen aber günstigen Hotel Du Midi ein. Hier bekommen unsere beiden „Dicken“ dann auch einen Garagenstellplatz und wir ein unerwartet gutes Abendessen.
Dienstag 26.06. – 184km
Nach gutem Frühstück sind wir nun wieder on Road. Nur nach wenigen Km verlassen wir die N900 links ab nach St Paul sur Ubaye und dem Col du Vars (2109m) einen Besuch abzustatten. Auch hier stellt sich uns die immer wiederkehrende Frage: zügig Fahren oder schauen? Wir entscheiden uns für Beides. Mal flott am Gasgriff drehen und dann wieder den Blümchenpflückermodus zum Schauen. In Guillestre fahren wir rechts auf die D902 durch das Combe du Queyras und hinauf zum Col de Izoard (2360m). 
Hier oben bläst der Wind recht ungemütlich und der angebotene Kaffee im Plastikbecher lädt auch nicht zum Verweilen ein, die grandiose Aussicht dagegen wieder einmal umso mehr.
Etwas später erschlagen uns schier der Verkehr und der Touristenrummel in Briancon. Sightseeing wird hier ausgelassen Über Oulx, Susa und Bonneval sur Arc wollen wir eigentlich zum Col d Iseran. Nach dem Lac du Mont Cenis steht jedoch eine solch mächtige, schwarze Gewitterwand vor uns dass wir umkehren um am Lac du Mont Cenis eines der dort gesehenen Hotels zu nehmen. Das einzig freie und offene Hotel ist das Les Roches Blanches. Ein einfaches Haus mit Toiletten im Flur (im wahrsten Sinne des Wortes) aber schöner Aussicht auf den See. Wir meinen es hat sich gelohnt hier zu bleiben
Mittwoch 27.06 – 354 km
Heute ist weit und breit nichts mehr von Gewitterwolken zu sehen, klarer blauer Himmel begrüßt uns wieder. Auch gestern haben die Wolken zwar etwas über den Berg gedrückt aber von großem Regen war hier nichts zu spüren. Also schnell die Töfs gepackt und auf dem kurzen kurvigen Teilstück über den Col du Mont Cenis (2084m) nach Lanslebourg Mont Cenis die Reifen warm gewedelt. Anfangs führt die D902 eher gemäßigt kurvig durch das Tal der Arc, bis nach einer Rechtsbiegung Boneval sur Arc vor uns liegt. Das beeindruckende, durch das warme Morgenlicht noch orange geschminkte Panorama zwingt geradezu zu einem Fotostopp. Im Hintergrund, völlig Wolkenlos ,präsentiert sich der Mont Blanc. Groß und mächtig steht der Berg da – haben wir nicht gesagt: “ und wir kriegen dich doch!“ Ohnehin werden die nächsten gefahrenen Kilometer mehr als häufig von Fotopausen unterbrochen. Zu berauschend schön wechselt die Kulisse nach beinahe jeder Biegung. So stöpseln wir mit Unterbrechungen dahin bis wir endlich am Col de Iseran auf 2770m wieder einmal ein gemeinsames Passfoto von uns machen lassen. Hier treffen wir auch auf Motorradfahrer die von gestrigem Gewitter mit heftigen Regenfällen berichten - na zum Glück hatten wir uns für die frühe Hotelsuche entschieden! Val d Isere hatte ich zwar schlimmer in Erinnerung, trotzdem hält uns nichts in dieser künstlichen Touristenstadt.
Nach Cafe au Lait und Salat in La Rosiere haben wir uns von den letzten 20 Kehren erholt und sind wieder gestärkt genug um weiter die schnelle Auffahrt über die D1090 zum Kleinen St Bernhard (2188m) zu meistern. Bernhard von Menton, der den ehemals hier thronenden „Gott Jupiter“ vom dortigen Monolithen geschuppst hat, steht noch genauso dort wie ich ihn bei meiner ersten Tour durch die Route de Grand Alps 1984 vorgefunden hatte. Ein weniger lustiges Kapitel sind die kriegerischen Auseinandersetzungen, die hier nach der Kriegserklärung Italiens an Frankreich im Juni 1940 alleine auf italienscher Seite 600 Opfer forderten. Nun von einer Landesgrenze ist hier und heute nichts mehr zu spüren …außer, dass die Straßen in Italien sofort in wesentlich besserem Zustand sind.
In La Thuile wechseln wir auf die SR 39 um über den kleinen Colle San Carlo in das Aosta Tal zu gelangen. Der San Carlo ist zwar nicht der mächtigste Pass aber wer den starken Verkehr in das Aostatal meiden möchte , sollte sich diesen fahrerischen Genuss einfach gönnen! Wir haben auch bald wieder genug von dem Nadelöhr Aostatal und verlassen dies in einem kleinen Ort namens Saint Pierre links ab. Einspurig windet sich das Sträßchen den Berg hinauf. Die Kehren auf diesem Teilstück sind von erschreckend geringem Radius. Hier sollte der geneigte Biker in der Lage sein ein Motorrad, auf üblicher Straßenbreite sicher zu wenden ohne rangieren zu müssen! Über Arpuilles gelangen wir am Ende bei Gignot wieder auf die Hauptstraße SR31 zum Großen St. Bernhard (2469m).
Schon wieder brauchen wir eine Stärkung, die wir uns auf der Schweizer Seite (Kanton Wallis) gönnen. Einen Schümlikaffee, und eine sagenhaft leckere Schokoriegel ! Das rote Schweizerkäppi im Andenkenladen sieht so grauenhaft schrecklich aus, dass ich es einfach haben muss! So, jetzt wäre es eigentlich Zeit eine Unterkunft zu suchen, jedoch entscheidet sich Uli  gegen den frühen Einzug in die günstigen Hotels an der Passstraße. In Martigny wollen wir aus gleichem Grund wie bei der Anreise nicht nächtigen. Nun bedeutet es durchhalten, denn nach Martigny sind Richtung Lausanne keine ansprechenden Hotels mehr auszumachen.
Wir folgen daher der „21“ bis nach Saint Maurice um dort auf kleineren Pfaden zum Col de la Croix (1778m) im Kanton Waadt zu gelangen. Wir sind müde und dann beschert uns das Navi auch noch eine wohl gutgemeinte Abkürzung. Mit zum Teil bis 25% Steigung und engsten Kehren, die wieder einmal nur noch von geübten Motorradlern zu meistern sind, hat es dieser Weg in sich.
Nun endlich tauchen wieder die ersten Hotels am Wegesrand auf. Diese sind jedoch entweder belegt oder geschlossen. Später scheinen die Preise für Übernachtungen mit jedem Kilometer zu steigen. In Gstaad, oder Saanen sind die Preise für freie Zimmer dann schon so weit jenseits von dem was wir zu Zahlen bereit sind, dass wir gegebenenfalls lieber im Heu schlafen als der Schweizer Hotelwirtschaft das Geld so sinnlos in den Rachen zu schmeißen!
Gegen 20:00 finden wir dann in Schönried das Hotel Kernen in dem wir für 105-Sfr pro Person und Nord-Einzelzimmer unterkommen. Die Zimmer sind Top ausgestattet, absolut sauber (wir hatten je ein DZ zur Einzelnutzung) jedoch, weil zur Hauptstraße hin gelegen, saulaut. Wechselkursbereinigt war dieser Zimmerpreis am Ende trotzdem angemessen und gar nicht soooo Schlimm….

Donnerstag 28.06.2012 - 299km
Mit Verlaub, ich habe besch…. geschlafen! Nachts rast die eidgenössische möchtegern Rennfahrergilde alle halbe Stunde am Hotel vorbei. Nachdem die dann müde sind, lässt gengenüber des Hotels ein freundlicher Milchkutscher seinen Truck geschlagene eineinhalb Stunden im Stand laufen. Kein Problem für den, der bei geschlossenem Fenster schlafen kann! Dafür passt das Frühstück vom Buffet auch wieder. Aus Schönried gibt es ab dem Hotel wohl kein legales Herauskommen. Jede Ausfahrt die wir finden ist mit dem bekannten roten Kreis auf weißem Grund gekennzeichnet. Sch…. d’rauf, wir wollen weiter - also Augen auf und durch. Wir folgen, brav an die vorgegebenen Geschwindigkeitslimits haltend, der „11“ über Zweisimmen nach Thun! In Thun, gerne als Tor zum Berner Oberland bezeichnet, herrscht reger Vormittagsverkehr. Wir folgen einem Anzugbewehrten Dnjepr-Gespannfahrer, dessen Bobtail sich im Seitenwagen ausgesprochen wohl zu fühlen scheint. Was für ein Bild und darüber verpassen wir um’s Haar die Abfahrt nach Heiligenschwendi um fern des Trubels den Thuner See von den Bergen aus betrachten zu können. Nach genussvollem und einsamen Kurvenwedeln fahren wir doch wieder über Ringoldswihl und Tschingel hinunter in das Tal um bei Lengenschachen an die nicht minder sehenswerten nördlich Uferstraße des Thuner Sees zu gelangen.
Bei Interlaken führt uns der Weg dann an das Nordufer des türkisfarbenen Brienzer SeesNatürlich muss nun eine kleine Kaffeepause in Brienz eingelegt werden – wir sind ja nicht auf der Flucht und wollen das Panorama um den See und die Berge auf uns wirken lassen. Das ist es wohl was die Schweiz trotz der oft überhöhten Preise für uns besuchenswert macht.
Die nächste Etappe bringt uns über Meiringen wieder einmal zum Sustenpass (2224m) und nach Wassen.
Als Abschiedspass dieser kleinen Reise muss auch wieder einmal der Klausenpass (1948m) der die Kantone Uri und Glarus verbindet, herhalten.
Nun sind wir sozusagen final auf der Heimreise, versuchen uns jedoch immer fernab der Hauptverbindungsstrecken zu bewegen und gelangen so über Schwanden, Glarus, westlich am Walensee und Wattwil vorbei. Eine urige Übernachtungsmöglichkeit finden wir in der Nähe von Weiterswil mit dem Hotel „Hotel Churfirsten“.
Wer im Churfirsten übernachten möchte sollte sich auf sehr einfache Unterkünfte einstellen. Die Zimmer sind zwar mit Waschbecken ausgestattet aber weder Toilette geschweige denn eine Dusche können sie aufweisen. Beides findet der Gast auf den Fluren. Die Wirtin betreibt das Hotel mangels Nachfolger ohnehin nur noch weil sie einfach „noch gerne Kocht“. Zudem scheint sie bereits etwas vergesslich geworden zu sein. So es fällt ihr merklich schwer sich spontan an den Namen ihres Hundes zu erinnern. Aber sie ist eine Liebenswerte Person und wir waren gerne hier. Ein potentieller Nachfolger hätte zwar einiges zu Richten aber am Ende würde die exponierte ruhige Lage Vieles wieder wettmachen. Hoffen wir das Beste für dieses Haus.
Freitag 29.06.2012 - 280km
Gut gefrühstückt verabschieden uns von der Wirtin des „Hotels Churfirsten“ der über Nacht der Name ihres Hundes wieder eingefallen ist. Bald wedeln wir auf Nebenstraßen völlig ungestört von anderen Verkehrsteilnehmern durch die liebliche Landschaft nach Hemberg, Schönengrund und Waldstatt.
Es ist zwar der finale Rückreisetag trotzdem meiden wir immer noch so lange wie möglich die Bundesstraßen. So gelangen wir gemütlich aber kurzweilig noch nach Herisau, Gossau, Waldkirch und über Egnach am Bodensee nach RomanshornAb hier genießen wir auf der Fähre nach Friedrichshafen noch eine 45 Minütige Minikreuzfahrt. Nun machen wir den Hauptverkehrsstrom meidend, noch die letzten Kilometer nach Tettnang und Neukirch. In Wangen West biegen wir endgültig auf die A96 nach München ein, denn wir müssen noch nach Pasing zu einem namhaften Motorradzubehörhändler. Die auf der Tour verschlissenen Ausrüstungsgegenstände müssen erneuert werden – die Saison ist ja noch Jung ;o)




Resümee:
Eine wunderbare empfehlenswerte Tour für 10 Tage. Natürlich geht kürzer auch aber wo bleibt denn da der Genuss.
Allen Unkenrufen und Vorurteilen zum Trotz sind wir, trotz DAH-Kennzeichen, weder bestohlen noch unleidlich behandelt worden, ganz im Gegenteil! Abgesehen davon, dass der Geschäftssinn der angestellten Kellner in Savine le Lac im Hotel Eden Lac zu wünschen übrig ließ, waren wir hier wie auch in allen anderen Gasthäusern freundlichst und zuvorkommend aufgenommen worden.
 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü