2014 Umbrien & Abruzzen - MoFa Stammtisch Indersdorf

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2014 Umbrien & Abruzzen

Touren
2014 Umbrien
Es war nicht leicht nach Norwegen, Westalpen und der Endurofreizeit in der Provence ein ebenbürtiges Ziel für unsere Jährliche 10-Tagetour zu finden. Die Anfahrt zur hohen Tatra nach Polen schien verhältnismäßig weit und öde zu sein. Westalpen? Gerne wieder aber so bald? Also noch einmal Landkarten studieren und innerhalb der in 10 Tagen machbaren Reichweite nach Kurven Ausschau halten. Ein Teil der Apenninen schien erreichbar und auch fahrerisch reizvoll zu sein. Zudem bin ich auf Italienischen Festland kaum weiter als bis Sienna gekommen. Die Detailplanung konnte beginnen. Den freundschaftlichen Rat eines Kollegen, die weißen Straßen auf den Landkarten zu meiden, habe ich wohlwollend zur Kenntnis genommen und mir auf den Michelin Karten 1:200 000 hauptsächlich die weißen oder gar nicht kategorisierten Straßen herausgesucht.

Etappe 1 Do.19 Juni 2014 (447km) zum Gardasee
Bereits eine halbe Stunde vor der ausgemachten Zeit rollt Ulli, mein treuester 10 Tagestouren Begleiter, mit seiner neuen R1200 GS vor meine Garage. Also schnell noch den Kaffee leer trinken, in die Motorradkombi springen und los. Obwohl schon zig Mal gefahren wollen wir die erste Etappe nicht einfach vollends auf der Autobahn hinter uns bringen. Standardmäßig wählen wir den schnellsten Weg nach Garmisch über die A95, dann über den Zirler Berg nach Axams, wo wir unser 2. Frühstück zu uns nehmen. Obwohl etliche Biker das verlängerte Fronleichnams Wochenende mit Brückentag für einen Kurzurlaub zu nutzen scheinen, hält sich an dem heutigen Feiertag der Verkehr in erträglichen Grenzen. Natürlich müssen wir über die alte Brennerstraße und natürlich biegen wir bei Sterzing rechts ab um das Penser Joch unter die Räder zu nehmen. Auf der Passhöhe beschränken wir uns heute auf eine Tasse Cappuccino und heben uns die eigentlich obligatorischen Spaghetti für die Rückreise auf.
Nach Bozen wollenwir noch den Passo di Mendola mitnehmen, werden aber kurz nach der Abfahrt bereits von der Carabinieri angehalten. Ups – zu schnell? Nein wir erhalten einen Flyer für den Tankrucksack welcher uns immer ein paar Tipps zur sicheren Fahrweise vor Augen hält. Eine gute Idee meine ich und lasse den Flyer immer in Blickweite.
Der Mendel ist natürlich immer ein Genuss, trotzdem sollte die Gashand mit Bedacht am Griff drehen. Ein Ausrutscher mit Bodenkontakt zwischen den Felsen und dem Abhang führt unweigerlich zu schmerzhaften Blessuren. Die Aussicht in das Etschtal wäre heute wunderbar aber die Zeit und mangelnde Parkmöglichkeiten lassen uns auch dieses Mal nur flüchtige Blicke nach links in das Tal werfen.
Weiter über Castello Belfort, den Lago di Molveno und Nago nähern wir uns unserem heutigen Etappenziel – dem Monte Baldo.
Einen Hauch früh verlasse ich die Stradale di Lopio und beginne, nicht wie üblich über Mori, die Auffahrt zum Monte Baldo. Durch die etwas westlich der Hauptrampe gelegen Weinhänge lotze ich heute meinen Begleiter. Eng geht es zu und entgegenkommende Weinbau Traktoren samt Anhänger lassen uns ab und an Schweißperlen auf die Stirn treten.
Kurz vor Brentonico treffen wir auf die SP3 die uns in langen schnellen Kurven bergauf führt. Kurz vor San Giacomo sehe ich den Hinweis nach rechts auf eine Übernachtungsmöglichkeit. „Agritour Mortigola“ steht auf dem Schild – also nichts wie hin. Eine nette Pension in Nachbarschaft eines Restaurants wertet hier auf uns. Rustikale, gut ausgestatte Zimmer in einem Blockhaus, abseits von der Hauptverkehrsstraße und ein günstiger Preis  laden zum Übernachten ein.
Etappe 2 Fr.20. Juni 2014 – nur Schnell durch die PO – Ebene (386km)
Bemerkenswert fröhlich wird uns das Frühstück bereitet. Italienischer Standard aber trotzdem ausreichend. Kuchen, Brötchen, Wurst, Käse, Müsli und Obst sollten wohl genügen. Gesättigt und von der guten Laune der Hausherrin angesteckt machen wir uns auf, die Poebene hinter uns zu bringen.
Zum Warmfahren überqueren wir noch den Monte Baldo. Da Uli noch nie hier war gönne ich ihm noch von der Bocca di Navene die Aussicht auf den Lago. Die Bar hat noch geschlossen und unser Frühstück ist auch erst ein paar Minuten her also können gleich auf der schmalen Straße durch den Wald Richtung Süden weiter fahren. 
Vorsicht ist auch hier geboten. Radler Mountainbiker aber auch einheimische Kleinlaster kommen uns immer wieder auf dem schmalen Sträßchen entgegen. Der Wald lichtet sich und nun schlängelt sich die SP8 breit und gut fahrbar den Berg hinab zur SP 29a. Nach Zuane tanken wir noch einmal voll und fahren gegen 10:00 bei Cocce auf die Autobahn Richtung Süden.
Mir scheint Italienische LKWs und Ihre Ladung stinken mehr als unsere Nasen gewohnt sind. Üble Gerüche von Dieselruß und auftauenden Schweineschwarten, wie sie zur Gelatineproduktion benötigt werden, begleiten uns. Um 11:36 haben wir aber bereits die Poebene hinter uns und können die Autobahn bei Rioveggio verlassen.
Endlich wieder Kurven vor uns aber auch Hungergefühle um die Körpermitte. Bevor wir uns in Monzuno im Albergo Ristorante Montevendere eine Pause gönnen, passieren wir noch eine kurvenreiche Sttraße die, wohl zum kommenden Wochenende, für ein Bergrennen präpariert ist . Die Speisekarte des Montevedere ist verlockend. Trotzdem bleibt es bei leichtem Salat und einer kleinen Nachspeise. Es ist heiß und schweres Essen würde unsere Fahrtüchtigkeit erheblich einschränken.
Nach Monzuno verwöhnt uns die SP59 weiterhin mit echtem Fahrspaß. Kurz hintereinander folgende Rechts links Kombinationen lassen die von der Pause erstarrten Knochen und Muskeln schnell wieder geschmeidig werden.
Wir passieren Piamaggio, Firenzola und Mugello mit seinem Autodrome, dann Borgo san Lorenzo, Dicomano, Londa bis wir es in Ciusi de la Verna (Toscana) für heute gut sein lassen und in der Albergo Pizzeria Ristorante Da Giovanna zwei Zimmer belegen. Beim Abendessen dürfen wir Zeuge werden wie die italienische Fußball- Nationalmannschaft den ersten Akt ihres Ausstiegs aus der diesjährigen WM einläutet. Unerwarteter Weise wird die Niederlage gelassen hingenommen. Überhaupt scheint sich die italienische Mentalität etwas geändert zu haben. Auf den Straßen wird gesittet gefahren und ein verlorenes Fußballspiel erzeugt gerade einmal ein Schulterzucken ……
Etappe 3 Sa. 21 Juni 2014 – durch den Nationalpark Monti Sibillini (290km)
Die ersten Kilometer nach dem Frühstück führen uns wieder in flachere Gefilde. Überhaupt ist die Landschaftliche Vielseitigkeit der gesamten Tour bemerkenswert. Nie kommt Langweile auf. Sanfte Hügel werden unvermittelt von alpinen Bergen abgelöst um dann wieder scheinbar ebenem Gelände Platz zu machen. Nach den Orten Chiusi De la Verna und Pieve Santo Stefano passieren wir jetzt den Lago die Montedoglio. Die Szenerie erinnert an Uderzo’s Zeichnungen aus den wohl bekannten Asterix Comics.
Die Stadtmauer von Anghiari zwingt uns geradezu zu einem Fotostopp. Zu gerne würden wir die Altstadt zu Fuß erkunden, doch die schwere Motorradbekleidung treibt uns schon ohne große Anstrengungen zu verrichten den Schweiß aus jeder Pore. So fahren wir weiter durch die Gassen von Monterchi und Monte Santa Maria Tiberina .
Die Straßen werden nun schlechter was die Armut der erreichten Provinzen widerspiegelt. Wir haben die reiche Toscana verlassen, denn wir fahren mittlerweile durch den Ort Umbertide welcher sich in Umbrien befindet. So schlecht die Straßen sind so schön sind dafür die Berge. Wir fahren in den Nationalpark Monti Sibillini ein. Unbeschreiblich welche unerwartete Aussicht sich nach einer kleinen Kuppe uns bietet. Eine saftig grüne Hochebene umrahmt von Bergen. Ein überdimensionaler natürlicher Kessel liegt vor uns. Stundenlang könnten wir dieses Bild auf uns wirken lassen aber schweren Herzens fahren wir weiter.
Wir passieren Gubbio ,Casa Castalde, Costa di Trex, Armenzaro, San Giovanni, Valtopiana, Capodaqua, Colfiorito, Pieve Torin,a Visso , Casteluccio und Trisungo bevor wir in Amatrice im Hotel Il Catagnetto einchecken. Das Hotel hat bestimmt schon bessere Zeiten gesehen, kann aber trotzdem guten Gewissens als Etappenziel empfohlen werden.
Essen gehen in Amatrice gestaltet sich gar nicht so einfach wie gedacht. Wir schlendern suchend durch die Straßen und landen am Ende notgedrungen in einer kleinen Pizzeria mit übersichtlicher Speisekarte. Na ja die „Margherita“ auf einer großen Platte schmeckt trotzdem und macht satt.

Etappe 4 So. 22.Juni – durch den Nationalpark Gran Sasso (268 km)
Die Sonne scheint schon wieder als wir Amatrice verlassen. Gleich nach dem Ortschild geht der Kurvenspass los. Mit den Orten Roccapassa Aringo, Torrale und Villa san Pietro kratzen wir gerade wieder so die Grenze des Nationalparks Gran Sasso. Bei Arischi können wir endlich auch in das kleine Paradies einfahren. Grüne Wiesen, sanfte Berge, Kuh- und Pferdeherden begleiten uns. Eine Landschaft zum Träumen und Wandern. Endurowandern wäre auch noch eine schöne Alternative denn befestigte, legal befahrbare Wege gäbe es genug. Da wir aber nur Straßenreifen aufgezogen haben, bleiben wir auch auf befestigten Wegen.
Gegen Mittag biegen wir ab in den Campo Imperatore. Auf diesem Plateau befindet sich das älteste Skigebiet Italiens und auch Hotel Campo Imperatore in dem Mussolini von August bis September 1943 gefangen gehalten wurde. Der Rote Hotelbau sieht von außen übel aus. Im Inneren ist alles sauber und scheint neu renoviert zu sein. In welchem Zustand sich die Zimmer befinden testen wir heut nicht. Zu früh der Tag und zu vielversprechend die Aussicht auf weitere Landschaftliche Highlights. Nach einem Espresso Dopio verlasen wir das Hochplateau wieder um weiter die wechselnde Landschaft des Nationalparks zu genießen.
Wir streifen Santa Stefano di Sessanio, Rocca Calascio und Castel del Monte. Das Castel dürfte wohl all den jenen bekannt vorkommen die den Film „Der Name der Rose“ gesehen haben, für dessen Kulisse hier das Vorbild steht.
Kleine, schmale aber gut zu fahrende Sträßchen liegen vor und hinter uns. Ab und an müssen wir auf Sand in den Kurven reagieren. Aber auch Touristen, die mit den Straßenverhältnissen ihre liebe Not haben, sind mit Vorsicht zu Begegnen. So lange wie möglich halten wir uns heute im Nationalpark auf. Fahren in großem Bogen wieder nach Norden und verdrängen dass dies ja schon die Rückreise einläutet. Cupoli, Bisenti, Scarcasale, Castelli, isIola del Gran Sasso, Montorion al Vomano liegen auf dem Weg. 
In dem Bergsteiger und Downhill – Biking Eldorado Prato di Tivo im Parco Nationale Monti della Lage buchen wir für die Nacht im Hotel Amoricci eine Unterkunft.
Wir genießen die Aussicht auf die Berge, den Sonnenuntergang und das Abendessen im Hotel. Die Hunde die die ganze Nacht kläffend um die Häuser streichen finde ich dagegen weniger berauschend……
Etappe 5 Mo. 23. Juni – wieder zurück durch die Nationalparks Gran Sasso und Monti Sibillini (309km)
Noch einen weiteren Tag dürfen wir im Nationalpark Gran Sasso verbringen. Da wir die Nacht am Ende einer Sackgasse verbracht haben, fahren wir die letzten Kilometer von gestern wieder talwärts zurück. Eine Straße zurück zu fahren bedeutet aber auch eine neue Aussicht zu genießen. Früh unterwegs kreuzen Fuchs, Rehe und sonstiges Getier die Fahrbahn - wir sind gewarnt. 22 Kehren bringen uns hinunter in das Tal des Fiume Vomano. Wir folgen der relativ gut befahrenen SS80 bis nach Ortolano. Am Ortsende biegen wir in einer Linkskurve rechts zum Lago di Campotosto ab. Eigentlich brauche ich es gar nicht erst zu erwähnen – ein fahrerischer Genuss wenn man kleine enge Sträßchen mit zauberhaften Aussichten mag. Wir mögen! Der Lago di Campotosto ist im Sommer ein begehrtes Ausflugziel für Einheimische. Hergerichtete Grillplätze am Ufer des Sees und abgegrenzte  Boxen für Wohnmobile sind Zeugen dafür. Wir merken Gott sei Dank nichts von dem möglichen Wochenendtrubel und können ungestört den See umrunden. Zum Abschluss der Seeumrundung gönnen wir uns noch einen Kaffee in der Bar Serena bevor wir wieder den Rückweg über den Weiler Ortolano antreten.
Ein paar Kilometer fahren wir auf der SS80 zurück und verlassen das Tal des Vomano bei Nerito auf die SP45a. Der Motorradfahrer braucht sich keiner Illusion hingeben. Eine Autobahn oder Rennstrecke dürfen wir auch hier nicht erwarten. Eine anspruchsvolle Strecke ohne Zweifel! Schlaglöcher, teilweise weggespülte Straßenhälften und geringe Besiedelung sind unser Begleiter auf den restlichen Kilometern durch den Nationalpark. Abends gegen 17:00 Uhr verlassen wir den Park bei Santa Maria.
Ein kurzes Bundesstraßenähnliches Intermezzo auf der SS4 treibt uns bereits bei Trisungo wieder auf kleinen, nicht kategorisierten Weg in die Berge. Zwar kämpfen wir heute Abend auf den Bergkämmen gegen starken Seitenwind doch die immer wieder wechselnden 
Landschaften, Aussichten und Eindrücke sind mehr als eine Entschädigung für die Arbeit die wir jetzt hier oben leisten müssen. An der Grenze zum Nationalpark Monti Sibilini treibt es uns rastlos weiter gen Norden. Heute haben wir wohl keinen Bedarf früh eine Unterkunft anzusteuern und fahren trotz fortgeschrittener Stunde weiter bis Amandola, Sarnano, Bolognalo, San Lorenzo al Lago, Polverina und Copagna. Gegen 18:30 Uhr erst beziehen wir in Sefro, im Hotel Faustina Quartier.
Das Haus muss vor gar nicht so langer Zeit renoviert worden sein. Der neue Lift ist mit Bedacht mit Rücksicht auf die ursprüngliche Architektur des Gebäudes an der Außenwand des Hauses installierte. Er erleichtert erheblich den Aufstieg in die, ebenfalls zur Bausubstanz passend eingerichteten Zimmer. Die Dekoration des Hofs und der dort parkende alte Jaguar runden den Gesamteindruck optisch ab. Heute ist zwar im Ruhetag und das Restaurant geschlossen. trotzdem nehmen wir ohne Gram den notwendigen Abendspaziergang in das ca. 2 km entfernte Restaurant in Kauf.

Etappe 6 Di. 24. Juni – Umbrien (254km)
Wir haben wunderbar geschlafen, packen die Motorräder und begeben uns zum Frühstück in das Restaurant des Hotels. Ein liebevoll dekorierter Gastraum empfängt uns. Überall finden wir kleine Figuren, Bilder und alte Gebrauchsgegenstände die unsere Aufmerksamkeit binden. 
Der Wirtin gegenüber können wir offensichtlich glaubhaft unsere Hochachtung über das Gebotene übermitteln. Die herzliche Verabschiedung mit Umarmung und freundschaftlichen Abschiedskuss sind Indizien dafür dass unsere Aussage auch ohne italienische Sprachkenntnisse angekommen ist.
Etwas östlich von unserer Anreiseroute fahren wir heute weiter gen Norden. Wie die Tagesfahrleistung erkennen lässt, haben wir wieder Straßen der kleinesten Kategorie gewählt. Von Sefro über Fiuminata bis zum Abzweig zu SP9 ist die Straße noch gut ausgebaut. Ab der SP9 wird es aber wieder ruhiger und Einsamer. Orte wie Vocabolo, Campodonico und Serradice nehmen wir auf der maroden Strecke kaum wahr. Ab Cancelli und Campodiegoli ist die Straße auf der Michelin Karte gelb eingezeichnet. Entsprechend flott bringen wir die Strecke bis kurz vor Sassoferato hinter uns. Hier schwenken wir nach Westen ab um in den Parco del Monte Cucco zu fahren. Die Straße windet sich umrandet von kargen Bergen durch grüne Täler. Trotzdem sind wir sind nicht mehr so hoch unterwegs wie in den Tagen zuvor und spüren die Hitze. Wir passieren Scheggio, verlassen den Park bei Colle Aguzzo, durchqueren Pontericcioli, begeben uns für ein paar Kilometer auf die SS452. Schon bald langweilt die SS452 so, dass die Entscheidung gefällt wird nördlich auf die Strada Provinziale di San Bartolomeo abzubiegen. Ja das ist wieder nach unserem Geschmack. Kurvig, eng, mieser Zustand aber absolut kein Verkehr. Nicht einmal einheimische Pandas stören hier. In Pianello wird auf die SP28 nach Seravella die Carda gewechselt. Bereits hier lockt der Blick auf den Monte Nerone.
Der Gipfel verspricht eine tolle Aussicht und die von unten auszumachenden Gebäude eine Pause mit Cappuccino und Panini in exponierter Lage. Also verlasse ich kurzentschlossen die geplante Route. Die Bergauf führende Straße ist richtig gut ausgebaut sodass die Gashand etwas lockerer zucken darf als sonst auf dieser Tour. Wir halten mehrmals an um die Aussicht auf die Umgebung zu genießen, müssen aber am Gipfel angekommen feststellen, dass aus der Paninipause nichts wird. Nur eine, mit hohen Zäunen eingefriedete Antennenanlage und einem Rastplatz gibt es hier. Nun haben wir die Wahl, den gleichen Weg zurück Pian die Trebbio oder die, auf der Michelin halb gestrichelt dargestellten Route Richtung Piobicco.
Wir entscheiden uns für Piobicco. Was vor gefühlt hundert Jahren mal eine Straße gewesen sein mag, entpuppt sich als kleine Herausforderung. Oft nur Fragmente von Belag, in den Weg wucherndes Gestrüpp, Löcher und Windböen sind unsere Begleiter. In einer abfallenden Rechtskehre, die mit Lenker am Anschlag zu fahren ist, überrascht überflüssigerweise noch eine um 20 cm abgesenkte Stufe den Straßenfahrer. Für den geübten Biker kein echtes Problem aber Anstrengend ist es allemal. Wer in normalen Kehren schon unsicher ist, sollte daher auf alle Fälle den Weg zurück nach Pian die Trebbio wählen. Uli und ich kommen trotz der starken Windböen ohne Umfaller in Piobicco an.
Die verdiente Mittagspause mit Salamibrötchen gönnen wir uns dann irgendwo an der SP257 zwischen Piobicco und Apecchio. Die nächsten Orientierungspunkte auf kleinsten Verbindungssträßchen sind Sant Angelo in Vado, Piandimeletto, Sestino, Pratieghi, Balze, und Verghereto bevor wir in dem Kurort Bagno die Romagno ein Nachtquartier suchen. Den heute in Bagno abgehaltene Markt nutzen die Einheimischen um, vor den Ristorantes und Pizzerien gemeinsam, das letzte Spiel der Italienischen Fußball Nationalmannschaft in dieser WM zu erleiden. Ausgesprochen gelassen nehmen sie die finale Niederlage hin und Feiern ungeachtet dessen trotzdem fröhlich den heutigen Abend.
Etappe 7 Mi. 25. Juni wieder schnell durch die Poebene nach Levico Terme/Trentino (392km).
Geradeso als wolle er unsere Rückreise verhindern empfängt uns der heutige Tag mit Regen. Mit dem Frühstück lassen wir uns deshalb Zeit und hoffen dass die Sonne doch noch siegen wird. Irgendwann fügen wir uns der Realität, klettern in die Regenkombi und machen uns auf den Weg Richtung Autobahn. Trotz Allem wollen wir die Hauptstraßen meiden. Kommen relativ trocken über Santa Sofia, Galeata, Rocca san Casciano, Modigliana bis nach Brisgella. In Brisigella aber öffnet sich der Himmel dermaßen, dass wir eine Bar aufsuchen um nicht von der Straße weggespült zu werden.
Die freundliche Bedienung in der Bar nimmt das Ausmaß des Regengusses erst gar nicht war. Erst als wir uns aus der Tropfnassen Regenkombi schälen riskiert sie einen Blick vor die Bar was ihr ein spontanes: „Oh Monsignore Benedetto!!“ entlockt.
Wir nehmen es gelassen, beobachten die Bäche die über Treppen und durch die Straßen fließen. Bald lässt der Regen auch nach, sodass wir uns wieder in die Gummihaut begeben bevor wir ab Faenza die letzten Kilometer auf der Autobahn hinter uns bringen. Bis zum Gardasee braucht es bis die Regenwolken gegen die Sonne den Kürzeren ziehen. Also verlassen wir bei Sonnenschein erst in Trento Süd die Autobahn. Mit den letzten Tropfen Sprit rollen wir in Levico Terme in die Garage des „Cristallo“
Etappe 8 Do. 26. Juni Ex Forte Belvedere und Relaxen im Cristallo,
Heute ist Entspannung angesagt. Lediglich ein kleiner Ausflug nach Lastebasse zum Ex Forte Belvedere, auch bei den Österreichern Werk Gschwent genannt, führt uns in eine Zeitreise in eine der düstereren Epoche der Geschichte Europas. Werk Gschwent ist eines von 7 Sperrwerken des Österreichisch Ungarischen Festungsriegel auf der damals sogenannten Hochebene der Sieben Gemeinden. Das Fort hat sich seit meinem Letzten Besuch von einer Ruine zu einem bemerkenswerten Museum gewandelt. Videosequenzen, Toneinlagen und etliche neue Exponate erzählen die Geschichte des Trentinos im Ersten Weltkrieg. Die Besichtigung dauert länger als gedacht und so beschließen wir nach einem Stärkenden Cappuccino den Tag für heute am Pool des Cristallo ausklingen zu lassen.

Etappe 9 Fr. 27. Juni über Trentino und Südtirol nach Hause
Für Spätnachmittag ist nahe der Heimat Regen angesagt. Also werden wir den ersten Teil der letzten Etappe noch so kurzweilig gestalten wie möglich. So schwingen wir wieder einmal durch das Val Fersina, gönnen uns das Lavazejoch und kommen über das Eggental nach Bozen.
Nach Bozen fahren wir heute aber nicht hinein sondern biegen gleich am Ortsanfang zum Ritten ab. Wir genießen die Fahrt durch die Hochebene und kommen über Klobenstein wieder auf die SS508 zur Penser Joch Route. Auf der Passhöhe holen wir heute unsere Spaghettipause nach die wir auf der Hinfahrt haben ausfallen lassen. Ab Sterzing folgen wir der der Brennerroute über Axam, den Zirler Berg nach Garmisch und München nach Hause.

 
 
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