2015 Alpes Maritimes Enduro - MoFa Stammtisch Indersdorf

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2015 Alpes Maritimes Enduro

Touren
Enduro Freizeit 4. bis 13. 06 2015 in den Alpes Maritimes.
Nachdem im letzten Jahr keine Enduro Freizeit stattgefundene hatte, war es jetzt wieder höchste Zeit die Erdferkel zu verladen um sie in artgerechtem Umfeld zu bewegen. Die Auswahl des Ziels ist nicht leicht gefallen. Friaul war im Gespräch, Ligurien mit der Grenzkammstraße … doch mit dem angepeilten Termin Anfang Juni könnte uns hier, wie dort das Wetter noch unangenehme Überraschungen bereiten. Aber wie war das auf der Alpentour 2012? Um Menton herum sind Uli und ich damals mit unseren Tourern auf Wegen gelandet, die eigentlich für Enduros gemacht waren. Also dort wäre bestimmt ein idealer Off Road Spielplatz für uns zu finden.
Schon bald nach Verbreitung meiner Idee haben Jörg, Hans und Erwin fest zugesagt mit mir in den Südwesten zu fahren. Als Basisstation habe ich uns in Blausasc bei Nizza ein Ferienhaus mit 4 Zimmern gemietet.
Endlich ist es soweit! Weil wir den Freitag für eine kleine Aufwärmrunde zur Assietta Kammstraße nutzen wollen, fahren Jörg und ich bereits am Fronleichnamsfeiertag nach Susa/ Exilles.
Die Anfahrt über die Autobahn München, Bregenz, Chur, Bellinzona und Turin ist trotz Anhängerbetrieb recht schnell hinter uns gebracht. Am Nachmittag können wir bereits in Exilles im Albergo del Forte  einchecken. Natürlich gönnen wir uns das obligatorische Anlegerbier und müssen dabei leider erfahren, dass das Hotel Restaurant aus technischen Gründen heute geschlossen bleibt. Eine Alternative wäre erst in Susa zu finden. Da das zweite Anliegerbier schon wirkt, beschließen wir unsere heutigen kulinarischen Erfahrungen auf warme Sandwiches aus der Bar des del Forte zu beschränken.
Am anderen Morgen gibt das Hotel ein zwiespältiges Bild ab. Außer dem tollen Ambiente scheint es mit dem Service arg zu hapern. Wir kommen früh morgens zwar aus dem Hotel heraus um die Motorräder abzuladen und für die heutige Ausfahrt herzurichten, doch danach leider nicht mehr hinein. Klingeln wird zwar auf Italienisch beantwortet aber es scheint sich niemand genötigt zu fühlen uns wieder zu öffnen. So warten wir zusammen mit einer Angestellten eine geraume Zeit auf Zugang zum Haus. Das Frühstück selbst ist italienisch. Es gibt, Cappuccino, Zwieback und Gott sei Dank noch Croissants.
Was soll’s, bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns Richtung Col de Finestre (2178m) auf. Der Finestre liegt in den Cottischen Alpen und ist nicht mit dem gleichnamigen 2474m hohen Pass in den Seealpen zu verwechseln.
Ab Meana di Susa führen uns gut 40 Kehren auf geteerter Straße bergauf bis der Belag in leicht zu fahrenden, festen Schotter übergeht.
Einen Abstecher zur Festungsanlage an der Passhöhe des Finestre können wir uns heute verkneifen und fahren stattdessen gleich weiter zur Assietta Kammstraße. Am Abzweig zur Kammstraße lässt uns erst ein Verbotsschild zögern, doch mit Hilfe des bekannten gelben Sprachführers entscheiden wir, dass es sich lediglich um den Hinweis des Befahrens auf eigene Gefahr …und so weiter ….handeln kann.
Die Assietta ist dann schon etwas gröber Geschottert aber nicht problematisch. Für große Straßenmotorräder würde ich das Befahren um diese Jahreszeit aber trotzdem nicht empfehlen. PKWs kommen spätestens an den Engstellen, die durch herabgefallene Felsbrocken entstanden sind, in Not. Straßenmotorräder bestimmt an den schlammigen Engstellen die sich an übriggebliebenen Schneefeldern bilden.
Die Passhöhe ist dann wieder in gutem Zustand. Ein Murmeltier leistet uns unbekümmert Gesellschaft und wir genießen die Ruhe hier. Weiter oben am Hang scheint eine Gruppe Motorradfahrer Schwierigkeiten an einem der Schneefelder zu haben. Da uns aber 2 WR250 entgegen kommen, gehen wir davon aus dass die Stelle befahrbar ist. Der Autobahnähnliche Zustand an der Passhöhe ändert sich dann bald wieder in schlammige, von Schneefeldern beengte Furten. Der Trupp Motorradfahrer den wir von unten ausmachen konnten, kämpft derweil damit Ihre Großenduros vom Schlage einer Triumph Tiger, BMW GS 800 und GS 1200 durch die kniffelige Passage zu wuchten. Die Fahrer der WR250 haben wohl kapituliert und sind umgekehrt.
Mit vereinten Kräften überwinden dann die Dickschiffe und wir dieses und die nächsten Hindernisse. Nach der, aus dem Denzel als Schlüsselstelle bekannten „Wasserdurchfahrt“, ist dann aber wieder entspanntes Enduro Wandern angesagt.
An einer, verlassenen Liftstation machen wir mit dem Internationalen Tross noch eine kleine Pause um dann wieder unsere Wege getrennt zu fahren. Die Abfahrt hinunter nach Sestriere ist aber nur noch ein Kinderspiel.
Im Sommer wird die Kammstraße auch von Großenduros und sogar Straßenmotorrädern problemlos zu befahren sein. Jetzt, Anfang Juni, ist wegen Schneeresten unbedingt davon abzuraten wenn nicht ausreichend helfende Hände mit auf Tour sind.
Über die SP215 fahren wir nach Casana Torinese um uns mit Spaghetti Aglio Olio wieder ausreichend Kraftstoff für den Rest der Tour zuzuführen.
Über Savoulx wollen wir in die Strecke über den Jafferau zum Col Sommeiler einfahren. Leider biegen wir (ich) an einer Weggabelung falsch nach links ab und landen nach etlichen Kilometern in einer Sackgasse. Unsere Kräfte lassen mittlerweile auch nach und so beschließen wir es für heute gut sein zu lassen. Bei den Weilern Villard und Royeres treffen wir dann auf die SS335 die den schnellsten Weg zurück zum Hotel markiert.
Heute hat das Restaurant geöffnet so dass wir den Abend gebührend mit Steak und Rotwein ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen wissen wir über die beschränkte Zugänglichkeit zum Haus Bescheid und können, entsprechend gut vorbereitet, das Gepäck noch vor dem Frühstück verladen.
Die Fahrt nach Blausasc ist dann wieder keine besondere Erwähnung wert. Kilometer abspulen so gut es geht. Dafür ist der Empfang im Ferienhaus so herzlich, dass ich sogar einen eigen kleinen Bericht darüber schreiben könnte. Herzlichen Dank an Madame Risso und ihre Tochter, Paul dem Hausbesitzer und Herr Nickel der extra aus Blausasc angefahren ist um unsere fehlenden Französischkenntnisse zu überbrücken. Jörg und ich kaufen später noch die Grundausstattung an Lebens- und Genussmitteln ein und beenden den Tag.

Am Sonntag den 7. Juni 2015 fahren wir "sagenhafte" 92 km.
Die Tour startet gleich hinter dem Haus mit Schotter. Völlig legal kommen wir in den Genuss der staubigen Verbindungsstraße von Blausasc nördlich über den Berg zur D321. Eigentlich wollen wir uns nur etwas orientieren und landen so schon in Berres des Alpes in diversen Sackgassen bis wir auf geteerten Wegen in Contes auf die D15 nach Coaraze treffen. Es ist heiß und der Durst zwingt uns zu einer Wasser und Kaffeepause. Wir nutzen die Gelegenheit und versuchen auf der Michelin Karte eine Staubstraße auszumachen. Tatsächlich müsste gleich vom Ort ein vielversprechender Weg in die Berge führen. Mit unseren zweifelhaften Französisch Kenntnissen fragen wir die Kellnerin nach der Befahrbarkeit.
Sie versteht uns wohl, denn sie zeigt auf eine parkende CBR und schüttelt den Kopf. Dann zeigt sie auf unser Alps und nickt. Also dann nichts wie hinauf auf den Berg.
Laut Landkarte muss hier Irgendwo ein Abzweig zu einer Kapelle sein. Tatsächlich finden wir einen kleinen Holzwegweiser zu einem steilen Pfad der direkt in ein Gebüsch führt. Wir sind uns einig diesen Weg nur zu Fuß oder maximal mit Trial Motorrädern zu versuchen. So lassen wir die Vernunft siegen und folgen weiter der gut erkennbaren Naturstraße Bergauf in einen Wald. An einem Antennenhäuschen genießen wir die Aussicht in die umliegenden Täler. In Levana bekommen wir leider wieder „festen“ Boden unter die Räder.
Über Sainte Claire fahren wir zurück zum Haus wo jetzt auch schon Hans und Erwin auf uns warten. Mit Hans ist nun endlich unser „Chefkoch“ angekommen womit wir entspannt bei Gegrilltem und Rotwein den Abend zu viert verbringen können.

Montag den 8.Juni wollen wir die Gegend um Sainte Agnes und Sospel erkunden. Dabei schaffen wir immerhin schon 133 km.
Der Spaß beginnt bereits wieder direkt hinter dem Haus, nur dass wir auf der Anhöhe rechts hinunter durch ein Kieswerk nach Grave fahren. Von hier aus geht es zünftig auf geteerter Straße nach Peile und Sainte Agnes. Auf die Besichtigung des Fortes der Maginot Linie in Sainte Agnes verzichten wir heute. Eine Beschreibung davon findet ihr ja bereits im Bericht zur Westalpentour von 2012. Der Kaffeedurst von Hans, Jörg und Erwin hält sich auch in Grenzen, sodass wir nach kurzem Genuss der Aussicht auf Menton, in das Schotterstraßennetz zwischen Sainte Agnes und Sospel eintauchen können.
In Sospel gönnen wir uns eine Motorradfahrergerechte Stärkung aus Salat und ausreichend Flüssigkeit um danach weiter das Areal zwischen Sospel, Escarene, Sainte Agnes und Blausasc zu 
erkunden. Ideale Wege zum Endurowandern haben wir heute unter die Räder bekommen. Bestimmt keine Highlights für Profis aber gut genug für uns um ausreichend Spaß zu haben.
Bei Shrimps und Steak planen wir für den kommenden Tag in die Ligurische Grenzkammstraße einzusteigen.
Dienstag den 9. Juni verspricht das Wetter nicht so toll zu werden – aber wir versuchen trotzdem den östlichen Teil der Ligurischen Grenzkammstaße zu befahren und kommen auf 242 km.
Da wir uns heute viel vorgenommen haben, lassen wir die Einsteigerstrecke über den Berg hinterm Haus aus und ziehen es vor, möglichst schnell über die D321 und D2204 nach Saint Dalmas di Tende zu kommen. Dort wollen wir in die Ligurische einzusteigen. Jörg war vor gefühlten 100 Jahren schon einmal hier und kennt sich hoffentlich noch aus.
Ab la Brique wird es dann kurzweiliger weil geschottert. Die beiden Betas, die KTM von Erwin und Hans‘ XT660 sind auf keinen Fall nicht überfordert. Wir überqueren einige Male die Französisch italienische Grenze und müssen unter umgestürzten Bäumen hindurchmanövrieren. Eine weitere Schlüsselstelle ist ein Stück abgerutschte Straße die auch noch von einem Radlader blockiert wird. Aber gemeinsam ist auch diese Passage gefahrlos zu meistern. An einem Wegeknoten direkt auf der Französisch/Italienischen Grenze werden wir von einem Unwetter erfasst. Eigentlich zum Glück, denn später wäre es wirklich ungemütlich geworden. Schneller als die wasserdichte Zweithaut übergezogen ist, laufen schon die Stiefel voll. Die Wege verwandeln sich in kleine Bäche und es ist umgehend saukalt. In einer maroden Hütte am Wegesrand finden wir zumindest ein trockenes Plätzchen. Hier gönnen wir uns eine Brotzeit und warten bis der gröbste Regen nachlässt. Durchnässt wie wir sind, macht eine Weiterfahrt auf der Ligurischen keine Freude mehr. Wir treten daher den Rückweg über Mendatica und Imperia an.
In San Remo sind wir soweit abgetrocknet dass wir uns eine Pizza genehmigen und dem haarsträubenden Treiben der einheimischen Zweiradfahrer zusehen.
Nach der Stärkung machen wir uns, ziemlich Deutsch an die Vorschriften haltend, auf die letzten Kilometer zurückzulegen. Nachdem mich eine Rollerfahrerin von hinten nur um Haaresbreite verfehlt, beschließe ich auch die guten Sitten fallen zu lassen und mich einfach mit dem hiesigen Zweiradverkehr treiben zu lassen. Und siehe da es klappt. Die Augen überall. Roller Motorräder Autos von hinten, links, rechts diagonal! Rein in den Gegenverkehr denn eine Handtuchbreite reicht!
Adrenalin in hohen Dosierungen und es macht Spaß. Als sich das Wildwasser aus Blech und Gummi lichtet, die Gewässer ruhiger werden, fahre ich an den Straßenrand und warte auf meine Freunde, und warte, und warte. Mit einer SMS teilen sie mir mit mich wohl verloren zu haben und dass sie zurück zum Haus fahren. Passt, denn dann kommen sie auf alle Fälle bei mir vorbei. Kurze Zeit später sind wir wieder vereint. Dann folgen wir der Küstenstraße durch Menton um in Roquebrun endlich wieder in Richtung Berge abzuzweigen. Die letzten Kilometer über Saint Martin und Peille werden, obwohl geteert, noch einmal richtig kurzweilig. In La Grave fahren wir wieder durch das Kieswerk um die letzten paar hundert Meter noch einmal Schotter unter die Räder zu bekommen.

Am Mittwoch den 10. Juni legen wir eine Zweiradpause ein und verbringen den Tag in Nizza.



Donnerstag den 11. Juni 160km von Blausasc nach Saorge und zurück.

Den heutigen Tag beginnen wir auf geteerten Wegen. Vom Haus aus fahren wir erst hinunter nach Blausasc, Blancarde, Escarene um kurz nach Luceram auf die D54 ostwärts zu wechseln. Nach weiteren 7,6 km dürfen wir dann links in einen Schotterweg abzweigen welcher uns mit der D2566 verbindet. Wir folgen der Route de Turini nordwärts und können schon einige Kilometer hinter Moulinet wieder ldie legal befahrbaren Staubstraßen des Parc National du Mercantor abzweigen. Wir fahren auf meist gutem Schotter durch wunderschöne Landschaften. Teilweise ist der Geröll zwar grob aber doch immer gut beherrschbar. Ein Traum für Enduro Wanderer! In Saorge treffen wir dann leider wieder auf festen Untergrund. Zwischenzeitlich wissen wir wo es in Sospel einen guten Salat bekommen und steuern den Ort wieder an. Nachdem die Moppeds abgestellt sind ergibt sich noch ein und zweifelhaftes Intermezzo 
mit einem deutschen BMW RT-Fahrer und seiner Frau. Da er uns mit den staubigen kleinen Bikes wohl für nur französisch sprechende Einheimische hält, pöbelt er uns auf Deutsch an. Schnell muss er erschreckt feststellen dass wir der deutschen Sprache mächtig sind und entsprechend antworten. Das gewichtige Trio macht sich dann auch ziemlich schnell auf um die dann doch für sie sehr unangenehme Situation zu verlassen.
Nachdem Durst und Hunger gestillt sind fahren wir auf der D2204 weiter. Als Bald als möglich verlassen wir aber die Teerstraße um den Rückweg über die Baise du Pape anzutreten.

Freitag 12.Juni
Während Erwin, Jörg und Hans noch einmal die Tour vom Sonntag nachfahren, verbringe ich den letzten Tag noch mit einem Abenteuer der besonderen Art. Ich werde Ohne nennenswerte Französischkenntnisse werde ich einen Friseur aufsuchen und schauen was daraus wird.
Nun …beim Betreten des Salons ist schon ersichtlich, dass der Südfranzose in diesem Jahr kurz trägt.…sehr kurz!

Den letzten Abend verbringen wir wieder gemütlich vor der "Sommerküche" des Hauses und vernichten so gut als möglich den festen und flüssigen Proviant.


Samstag 13.Juni
Die Hausübergabe am Samstag verläuft völlig problemlos. Wir "Unterhalten" uns noch etwas mit Händen, Füßen und unter Zuhilfenahme schnell erstellter Zeichnungen. Noch einmal ist diese Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu spüren die uns bereits bei der Ankunft entgegengebracht wurde.
Für die Rückfahrt wählen wir die vermutlich schnellste Route über Voltri, Mailand, Lugano, durch die Schweiz über Chur zum Bodensee und die A96 zurück ins Dachauer Hinterland. Nach gut 11 Stunden sind wir wieder zu Hause.

 
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