2017 Schwäbische Alb - MoFa Stammtisch Indersdorf

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2017 Schwäbische Alb

Touren
Schwäbische Alb 12. bis 15. August 2017 Streckenführung besser als erwartet.

Gut dass Mariä Himmelfahrt heuer auf einen Dienstag fällt. Gut auch dass dann in Bayern Feiertag ist. Noch besser, dass tatsächlich einige Stammtischler nicht im Urlaub sind und wie im letzten Jahr Lust auf einen Sommerausflug mit dem Motorrad haben. Nachdem die üblichen Ziele wie Schwarzwald, Kärnten, Südtirol oder Dolomiten entweder schon zu oft angefahren oder momentan überlaufen sind, entscheide ich mich für die Schwäbische Alb als Nahziel. Übernachten werden wir alle in Gundelfingen/Lautertal im Gasthof Wittstaig. Das lange Wochenende kann also kommen.

Samstag 12. August 207km
Blöd dass es heute früh am Anreisetag regnet … Gut wieder, dass es Wetter.Com und Wetter Online gibt welche mir bei der sponzanen Zeitplanung für die Anreise unterstützen. Auch gut, dass wir wie unsere Kids die modernen Kommunikationsmittel nutzen. Schnell ist die Abfahrt um einige Stündchen verschoben und so gelegt, dass wir einer Regenlücke gen Westen folgen könnten. Mal schauen wie es klappt.
Pünktlich zur verschobenen Startzeit poltern Ulis’s 1200er GS und winselt Felix’s 3 Zylinder Yamaha Tracer vor meine Garage. Otto reist separat mit KTM auf dem Anhänger an. Lorenz' Homebase liegt auf dem Weg. Astrid und ich mit unserer R1200R sind natürlich auch startklar. Die Wetterplanung passt auch. Es ist zwar bewölkt aber die Straße beinahe schon trocken.
Ein paar Minuten später rollen wir in Pfaffenhofen bei Lorenz vor. Er und seine 1200er GS sind auch schon reisebereit. Nachdem das Wetter einigermaßen mitspielt meiden wir, wie ursprünglich geplant, die A8 Richtung Stuttgart.
Bereits ab Erdweg über Pfaffenhofen, Wollomoos bis Dasing ist die Streckenführung zwar bekannt aber mitnichten langweilig. Sanfte Hügel und ebenso sanfte Kurven leiten uns über die Felder. Die Waldstücke sind nur kurz oder werden lediglich gestreift. Augsburg umfahren wir nördlich durch den Naturpark Augsburg Westliche Wälder und durchqueren bei Gundelfingen die Flusslandschaft Donauried. Nun folgen gemütliche, ziemlich geradlinige Streckenabschnitte bis wir etwas durchgefroren in Langenau zur Mittagspause im Cafe Marktplatz  einkehren. Der Dialekt gesprochen von Bedienung und den Gästen an den Nachbartischen verrät, dass wir längst in die Schwäbische Alb eingetaucht sind. Das bayerische „Naa“ wird zum „Hanoi“ und die Pfannkuchensuppe zur „Flädlesuppn“. Trotzdem bekommen Alle was bestellt wurde. Eine gute Stunde später können wir gestärkt und aufgewärmt wieder die Weiterfahrt in Angriff nehmen.
Ab Westerstetten wird dann die eher statische Fahrweise wieder etwas dynamischer. Ulm umfahren wir wieder nördlich über Halzhausen, Scharenstetten und Blaubeuren. Das kurze Stück B492 bis Schmiechen verkraften wir leicht, denn schon auf der K7334 werden wir wieder vom Samstagsnachmittagsverkehr erlöst. Die Abfahrt von Bremelau ins große Lautertal ist dann schon sehr erwähnenswert. Rechter Hand winkt die Burgruine Hohenhundersingen und geradeaus lässt die Aussicht auf das Lautertal den Blick von der Straße schweifen. Die wenigen verbliebenen Km zum Hotel lassen dann schon erahnen  dass am kommenden und sonnigen Sonntag etliche Besucher in das Tal einfallen werden. Auf dem Parkplatz des Hotel Wittstaig  steht schon Otto’s Gespann. Die KTM ist bereits abgeladen und wir checken ein.
Die meisten Zimmer, wie auch unseres, sind komplett neu und ansprechend renoviert. Die Aussicht auf die Lauter ist einfach toll. Auspacken kann warten, denn das obligatorische Anlegerbier wartet. Etwas wiederwillig und mürrisch zeigt sich anfänglich die Servicekraft. Trotzdem bekommen wir unseren Gerstensaft. Nach den ersten alemannischen Wortfetzen aus unseren Reihen wird sie dann doch noch ausgesprochen redselig. Noch wissen wir nicht so recht ob die folgenden Auftritte lustig oder Abschreckend zu werten sind. Na denn mal Prost. Halbpension wird leider nicht angeboten. Das a la Carte Essen war zwar Ok aber nicht herausragend. Dass die Portionen eher übersichtlich groß waren, wurde schwäbisch korrekt mit entsprechend höheren Preisen ausgeglichen. Das Preis / Leistungsverhältnis haben wir schon wesentlich besser erlebt. Zudem nervt auf Dauer das immer vertraulicher werdende Mitteilungsbedürfnis der gewichtigen Bedienung.
Sonntag 13 .August. ….Aha der 13. …. klar…. trotzdem 221km

Die Nacht war ruhig! Auch die Wolken sind vertrieben so dass die Sonne ungehindert hinter dem Haus ins Tal blinzeln kann. Das Frühstück ist Ok. Alles was ein normal gewachsener Mensch so zum Start in den Tag braucht ist vorhanden.
Bald stehen wir dann bei den Motorrädern und starten die geplante Tagestour. Der K6769 folgen wir erst nördlich durch das liebliche Lautertal. Wie gestern bin ich auch heute von der Landschaft begeistert. Ende der 70er Jahr habe ich zwar auf der Schwäbischen Alb meine 15 Pflichtmonate bei Y-Abenteuerreisen abgegolten und durfte häufiger Einweisungsfahrten von Sigmaringen nach Münsingen eskortieren, doch Gott sei Dank haben wir unsere Tonnenschweren Panzer nie durch dieses Tal getrieben. In Buttenhausen verlassen wir das Lautertal Richtung Westen auf den Hohenstein. Ein schmales, manchmal leicht gesplittetes Sträßchen führt über Wiesen und Felder nach Eglingen und von dort wieder hinab in Lautertal. Unten an der Talstraße angekommen warten wir wie immer darauf dass sich die Gruppe wieder sammelt. Doch die KTM taucht einfach nicht auf. Wenn man erfolglos auf einen Mitfahrer wartet macht sich immer ein unangenehmes Gefühl breit. Heute umso mehr weil oben in der Rechtskurve eindeutige Spuren auf der Straße und die Blumen an der Leitplanke darauf hindeuten, dass hier erst kürzlich ein anderer Motorradfahrer sein Leben lassen musste. Er wird doch nicht? Wir drehen also um und finden Otto just nach der Kurve an seinem Motorrad schraubend. 
Gott sei Dank handelt es sich nur um einen technischen Defekt, welcher zugegeben, hätte böse enden können. Das Antriebsritzel hat sich selbständig gemacht und sich zwischen Motorblock und Achsrohr verklemmt. Das Hinterrad steht. Die Sicherungsschraube ist unauffindbar verloren. Lorenz fährt, mit Otto auf dem Sozius, zurück Ins Hotel um Auto und Anhänger zu holen. Eine Stunde Später ist die KTM bereits verladen und wir Anderen stehen schon wieder unten an der Talstraße L249 um die Tagestour, leider ohne Otto, fort zu setzen.
Kurz nach dem bekannten Gestüt Marbach wechseln wir links auf kleine Kreisstraßen welche wir bis kurz vor Hechingen nicht mehr gegen Bundesstraßen eintauschen müssen. Schon bei der Auffahrt zur Burg Hohenzollern kommen Zweifel auf ob eine Sightseeingtour unbedingt sein muss. Autoschlangen zwängen sich das kleine Sträßchen zur Burg hinauf. Ein Tourist ist sogar mit der Fahrbahnbreite überfordert und nimmt lieber in Kauf uns Motorradfahrer abzudrängen statt möglicherweise an der Steigung wieder anfahren zu müssen. Kurz vor der Parkplatzeinfahrt drehen wir daher um und betrachten das alte Gemäuer lieber von der Ferne aus. Die Burg an sich wurde mehrmals zerstört und steht nun in der dritten Variante vor uns. Vom Baugedanken ist die am 3. Oktober 1867 wieder fertiggestellte Burg mit Neuschwanstein in Bayern vergleichbar, wenn auch zum Glück nicht so phantastisch-theatralisch übersteigert. Vielleicht kommen wir ja später mal zu Besuch vorbei.

Irgendwie macht sich langsam Hunger breit. Eine standesgemäße Location im Donautal habe ich bereits im Sinn. Die Anfahrt über den Lochenpass bei Balingen vermiest uns die sonntägliche Streckensperrung. Wieder einmal müssen unbescholtene Tourenfahrer wegen ein paar verkappten Rennfahrern einen unnötigen Umweg in Kauf nehmen. Nach Laufen an der Eyach und Schwenningen fahren wir später bei Hausen in das Donautal ein. Hier waren wir mit den olivgrünen Rennern von Y-Abenteuerreisen schon häufiger anzutreffen. Gruselig wenn man zurückdenkt wie wir mit MAN630, DKW Munga oder dem Funkkoffer Unimog 404 hier „Rennen“ gefahren haben. 
Die Überholvorgänge waren naturgemäß endlos. Heute bleiben wir nicht lange im Tal, sondern fahren gleich wieder auf der anderen Seite der Donau die Kreenheinstetter Steige, mit immerhin 2 Kehren, hinauf. In der Traube in Kreenheinstetten, dem Geburtshaus von Abraham a Sancta Clara, gäbe es bestimmt ein gutes Mittagessen. Doch Sonntags kehrten hier schon zu Bundeswehrzeiten ganze Reisebusgesellschaften ein. So kehren wir heute für die Mittagspause lieber in der Burg und Jugendherberge Wildenstein ein. Die Speiseauswahl ist naturgemäß dürftiger als in der Traube, dafür bietet die Burg eine tolle Aussicht über das Donautal und das richtige Ambiente für uns „Ritter der Landstraße“.
Richtig kurvig geht es dann zurück nach Thiergarten und Stetten am Kalten Markt. Wer hier jemals auf dem Standortübungsplatz im Januar Biwak machen durfte, weiß warum es Kalter Markt heißt. Jetzt ist aber Sommer und wir konzentrieren bis Winterlingen auf den Kurvenspaß. Gemäßigter aber mitnichten langweilig ist die weitere Streckenführung nach Billafingen, Inneringen und Zwiefalten. Bevor wir uns versehen biegen wir in Indelhausen auch schon wieder in das Große Lautertal ein. Hab ich schon gesagt wie lieblich …..?
Beim Anliegerbier höre ich der Wirtin zu wie sie am Nachbartisch über Motorradfahrer lamentiert. Zu laut und man müsste das ganze Lautertal für Bikes sperren… Hallo !! Hier sitzen 6 Motorradfahrende Gäste die 5 Zimmer belegen. Nebenbei empfinde ich die Rad-Abrollgeräusche der in Scharen vorbeifahrenden PKW wesentlich störender als die meist leisen Bikes. Klar, hin und wieder röhrt ein Hirnloser vorbei aber die Masse scheint Regelkonform unterwegs zu sein.
Das Abendessen ist wie gehabt. Nur einem unsere Mitreisenden scheint der Wein nicht zu schmecken! Warum wohl sonst verteilt er jedes Glas nach dem ersten Schluck gleich wieder auf dem Tisch?

Montag 14.August …. Otto sucht eine Werkstatt für die KTM und wir fahren 254km
Ich weiß wo es im Donautal einen guten Wurstsalat mit Aussicht gibt. Und da immer links rum fahren schwindelig macht, entscheide ich mich heute für eine Route im Uhrzeigersinn…..also recht rum. Das Lautertal zeigt sich heute im warmen Morgenlicht, mit den leichten Dampfschleiern über der Wasseroberfläche, besonders romantisch …..haben wir eigentlich Wanderschuhe dabei? …Nein natürlich nicht also los geht’s! Da wo wir in gestern Abend Indelhausen in das Lautertal eingefahren sind, biegen wir heute rechts nach Erbstetten ab. Nicht die knackig enge Kurven sondern sanfte Schwünge über die Hügel der Alb leiten uns heute. 
Eine Ruhe und Entspanntheit erzeugende Landschaft. Eile ist fehl am Platz. Genuss pur. Die Landschaft über Oberwilzingen nach Hayingen präsentiert sich unaufgeregt schön. Wir passieren Aichelau, Pfronstetten, Wilsingen und Gamertingen. Die Streckenführung entlang der Lauchert nach Feringenstadt ist zwar kurvig, lässt aber da sehr gut ausgebaut, den Puls nur weit jenseits der zulässig fahrbaren Höchstgeschwindigkeit höher schlagen. Nein, in Sigmaringen tauchen wir nicht wie üblich ins Donautal ein sondern begeben uns nördlich davon über Unterschmeien, Stetten am kalten Markt, Schwenningen und Hausen ins Donautal. 
Heute bleiben wir aber an der Donau, passieren Beuron und machen, da schon Mittag ist, den Abstecher zum Wurstsalat. Vorher muss aber der erst der Fußweg zum Knopfmacherfelsen „bewältigt“ werden. Die Aussicht von hier in das Donautal und die Donautalbahn bis nach Beuron sowie über die ausgeräumte Zementmergelschüssel beim Schloss Bronnen ist grandios! Es wäre schade sie meinen bayerischen Freunden vorzuenthalten …ob sie wollen oder nicht! Der kurze Fußmarsch ist geschafft und die Belohnung im Berghaus Knopfmacher schmeckt.
Der Weg ist das Ziel! Daher dürfte auch kein Mitfahrer realisieren dass wir über den oberen Acker vorbei am Rabenfelsen wieder zurück nach Schwenningen fahren. Heidenstadt, Hartheim und wie gestern schon Messstetten kommen uns unter die Räder. Albstadt, Biz und Burladingen sind ebenfalls bald passiert. Weil gestern gesehen, möchte ich heute wissen was die ausgeschilderte Bärenhöhle eigentlich ist und fahre sie an. Erschreckt von den Menschenmassen die sich bereits auf dem Parkplatz des vornehmlich für Kinder ausgelegten Freizeitparks tummeln, kehren wir sofort um.   
Nun fahren wir nach Sonnenbühl und Genkingen. Jetzt könnte eigentlich eine Kaffeepause eingelegt werden. An dem Gasthaus bei der „Nebelhöhle“ lassen wir uns noch einen Eiskaffee schmecken. Die Höhlentour will auch keiner angehen, so machen wir uns erfrischt auf, die letzten Kilometer zum Hotel hinter uns zu bringen. Weil die direkte Verbindung von Lichtenstein nach Sankt Johan gesperrt ist, müssen wir leider die verkehrsreiche Variante über Pfullingen und Eningen wählen. Sind diese beiden Städte im Feierabendverkehr endlich geschafft, lässt es sich wieder einigermaßen flüssig über Sankt Johann, Dottingen, Steingebronn und Wasserstetten ins Lautertal weiterfahren.
Otto hat eine Werkstatt mit Ersatzteilen gefunden. Leider hat nebenbei auch die Kupplungshydraulik seiner KTM ihren Geist aufgegeben. Ersatz muss erst bestellt werden.

Dienstag 15.August 2017 über Schwaben nach Oberbayern 194km
Kaum zu glauben aber schon wieder Abreisetag. Zusammenpacken, frühstücken, zahlen. „Wer die Rechnung des Kollegen übernimmt der bereits abgefahren ist“ fragt der Wirt …… Hää??? Da hatte es wohl einer eilig. Erst den ganzen Wein verschütten dann ohne zu bezahlen abhauen… so san‘s die Bayrischen Preußen :-)  Da wir aber Alle ehrlich Leute sind, klärt sich das natürlich schnell auf und der Rechnungsbetrag wird postwendend überwiesen. Wir Verbliebenen machen uns dann auch bald auf den Heimweg. Ade Lautertal. Hallo Heimat.
Natürlich versuchen wir das schöne Wetter auszunutzen und meiden auch auf dem Rückweg die Bundesstraßen ziemlich erfolgreich. Gut, aus Erfahrung wissen wir, dass nicht die absoluten Traumstrecken vor uns liegen. Wir starten also über Hayingen und Oberwilzingen. Überqueren in Rechtenstein die Donau und bummeln heiter weiter bis Munderkingen, Weisel, Laupheim, und Schnürpflingen. In einer der obligatorischen Bio-Pausen beschließen wir, dass ein Koffeinschub angebracht wäre und beginnen umgehend die Suche. 
Bis Vöhringen sind weder Cafés noch Gasthäuser auszumachen die geöffnet hätten. In dem kleinen Nest Behlingen werden wir endlich fündig. So unscheinbar ist die Kneipe dass wir glatt daran vorbei fahren und umkehren müssen. Die Gaststube ist, …na ja, ein Bier könnte man es evtl. ....aber die Aussicht auf Pulverkaffee, verfeinert mit Milchpulver lässt uns geradezu die Flucht ergreifen. Auf den „scheene Mann“ mit „die wenich Haare“ muss die Wirtin heute leider verzichten. Überhaupt ist der ja bereits an Maria vergeben. Ganz Schwaben scheint an Gasthausdürre zu leiden. Da wir über Tannhausen, Walkertshofen bis  Schwabmünchen  erfolglos suchen, entschließen wir uns lieber später in heimischen Gefilden einzukehren.
Auf Grund einer völlig verwirrend ausgeschilderten Umleitung kreisen wir ziellos in Mehring umher, kommen jedoch so wenigstens zu unserer Mittagspause beim Griechen. An der lauten Bahnstrecke und Hauptstraße gelegen, ist die Taverne nicht gerade ein Idyll. Doch was soll’s? Das Essen ist gut, der Service zuvorkommend und übernachten brauchen wir hier ja auch nicht. Auf den letzten Kilometern nach Hause löst sich dann unser Grüppchen nach und nach auf. Wir waren uns einig. Die Touren waren weit spannender als erwartet. Ein Zielgebiet das für den kurzen Wochenendausflug gerne wieder angefahren werden dürfte. Das Hotel war zwar in Summe nicht das Beste das wir bisher angefahren haben aber trotzdem würde ich es ohne Bedenken wieder buchen. Unsere Messlatte liegt halt hoch.

 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü